BEZIEHUNG ODER GEHORSAM? 28 VON 30 ELTERN UND FACHKRÄFTE ENTSCHEIDEN SICH KLAR - NUR 17 PROZENT SCHAFFEN ES AUCH IM STREIT

Sona Terlohr, Elterncoach, vor pinken Hintergrund mit dem Text: Blog-Umfrage 2026: Beziehung schlägt Gehorsam. Nur nicht im Streit.

93 Prozent der Eltern und Fachkräfte, die an meiner Umfrage teilgenommen haben, sagen: Im Konflikt mit einem Kind ist ihnen die Beziehung wichtiger als Gehorsam. Nur 2 von 30 kreuzten das Gegenteil an. Und trotzdem sagt nur 17 Prozent von sich selbst, dass ihnen das im akuten Streit auch fast immer gelingt.

Diese Lücke kenne ich aus der Praxis. Nur hatte ich sie noch nie in Zahlen: den Unterschied zwischen dem, was wir für unsere Kinder wollen, und dem, was wir im Moment der Anspannung tatsächlich schaffen.

Die Ergebnisse meiner Umfrage 2026 in Kürze:

  • 93 Prozent (28 von 30) sagen: Beziehung ist ihnen im Konflikt wichtiger als Gehorsam oder genauso wichtig.

  • Nur 17 Prozent (5 von 30) gelingt es im akuten Streit fast immer, sich zuerst aufs Kind einzulassen.

  • 43 Prozent (13 von 30) nennen die eigene Erschöpfung als größtes Hindernis, nicht fehlendes Wissen.

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Die Hypothese: Sagen Eltern, was sie wirklich glauben?

Ich habe 30 Menschen gefragt, Eltern und pädagogische Fachkräfte, viele von ihnen Leserinnen meines Newsletters oder Teil meiner Instagram-Community. Das heißt auch: Die Stichprobe ist nicht neutral. Wer sich überhaupt die Zeit nimmt, eine Umfrage zu "Beziehung oder Gehorsam" auszufüllen, hat sich wahrscheinlich schon mit dem Thema beschäftigt. Trotzdem oder gerade deshalb fand ich spannend, was dabei herauskommt.

Meine Hypothese vor der Umfrage: Mindestens 80 Prozent der Eltern und pädagogischen Fachkräfte sagen, dass ihnen Beziehung wichtiger ist als Gehorsam, aber mindestens 60 Prozent von ihnen versuchen in der akuten Konfliktsituation trotzdem zuerst, das Verhalten des Kindes zu verändern. Mit dem ersten Teil hatte ich recht, fast zu vorsichtig sogar: 28 von 30, also 93 Prozent, sagen, dass ihnen die Beziehung wichtiger ist als Gehorsam oder beide gleich wichtig sind. Mit dem zweiten Teil hatte ich ebenfalls recht, nur die Zahl war noch höher, als ich dachte. Nur 5 von 30 schaffen es im akuten Streit fast immer, sich zuerst auf das Kind einzulassen, bevor sie auf der Sache bestehen. Im Schnitt liegt die Selbsteinschätzung bei 3,6 von 5. Das heißt: Was wir wirklich wollen und was wir im Moment des Streits tatsächlich tun, klafft bei den meisten von uns auseinander.

Neue Autorität – kurz erklärt

Die Neue Autorität ist ein Ansatz nach Prof. Haim Omer, der Eltern stärkt, auch in schwierigen Situationen präsent, klar und handlungsfähig zu bleiben – ohne Strafe oder Machtkämpfe. Nicht strenger sein. Sondern da sein, wenn es drauf ankommt.

Kernprinzipien:

  • Selbststeuerung statt Kontrolle
  • Beharrlichkeit statt Eskalation
  • Beziehung trotz klarer Grenzen
  • Wiedergutmachung statt Strafe

→ Was Neue Autorität konkret bedeutet, erkläre ich hier ausführlich.

Methodik: 30 Eltern und Fachkräfte, anonym befragt im September 2026

Gefragt habe ich unter anderem: Was ist dir im Konflikt mit einem Kind wichtiger, Beziehung oder Gehorsam? Wie reagierst du im ersten Moment, wenn es wirklich eskaliert? Und was steht dir dabei am meisten im Weg?

Befragt habe ich Menschen aus meinem Umfeld, vom 6. bis 27. September 2026, über ein anonymes Tally-Formular, das ich in meinem Newsletter und auf Instagram geteilt habe. Eingeladen habe ich mit diesem Text: “Wir alle wollen eine gute Beziehung zu unseren Kindern - aber was passiert, wenn ein Kind sich einfach weigert? Mit dieser Umfrage will ich herausfinden, was Eltern und pädagogischen Fachkräften in solchen Momenten wirklich wichtig ist - und was sie tatsächlich tun.”

30 Menschen haben geantwortet: 20 ausschließlich als Elternteil, 6 ausschließlich als pädagogische oder therapeutische Fachkraft, 4 in beiden Rollen zugleich. Anonyme Teilnahme war möglich, ebenso die Angabe des eigenen Namens, wenn jemand mit einem Zitat sichtbar sein wollte.

Es handelt sich nicht um eine repräsentative Erhebung, sondern um eine Befragung in meinem eigenen Umfeld - viele der Befragten kennen meine Haltung zur Neuen Autorität schon aus meinem Newsletter oder von Instagram.

Eine Antwort ließ sich bei der Frage nach der ersten Reaktion im Streit nicht eindeutig einer einzigen Option zuordnen, weil im Freitextfeld mehrere Antworten gleichzeitig genannt wurden. Bei der größten Hürde waren es drei Antworten, bei denen das genauso war. Sie alle fließen deshalb bei diesen beiden Fragen nicht in die Prozentangaben ein, die übrigen Kernaussagen betrifft das nicht.

Mehrere Antworten zeigten, dass allein die Formulierung “was dir wirklich wichtig ist” gegenüber “was du tatsächlich tust” bei manchen ein Gefühl von Bewertung ausgelöst hat - obwohl die Umfrage anonym war und ich das nirgends so gemeint hatte. Genau diese Lücke zwischen Anspruch und Gelingen ist aber das, worum es in diesem Artikel geht.

Die Lücke zwischen Anspruch und Gelingen: 93 Prozent wollen Beziehung, nur 17 Prozent gelingt das im Streit fast immer

93 Prozent, 28 von 30, sagen: Im Konflikt mit einem Kind ist mir die Beziehung wichtiger als Gehorsam, oder beides gleich wichtig. Bei der Frage, wie oft ihnen das im akuten Streit auch tatsächlich gelingt, sich zuerst auf das Kind einzulassen, bevor sie auf der Sache bestehen, vergeben nur 5 von 30 die volle Punktzahl 5 von 5. Im Schnitt liegt die Selbsteinschätzung bei 3,6 von 5.

Das ist keine schlechte Bilanz, und ich lese sie auch nicht als Scheitern. Ich bin überzeugt: Diese Lücke entsteht nicht, weil wir zu wenig wissen oder zu wenig wollen, sondern weil Beziehung im Moment der Anspannung schlicht mehr Kraft kostet, als Gehorsam durchzusetzen. Deshalb reicht guter Wille allein nicht, und deshalb ist Elterncoaching nach Neuer Autorität kein netter Zusatz für überforderte Eltern, sondern genau der Hebel, der diese Lücke kleiner machen kann.

Das heißt für dich: Wenn dir Beziehung wichtig ist und es trotzdem nicht immer gelingt, bist du damit nicht allein. 25 von 30 anderen geht es genauso.

Die Stress-Hürde: 43 Prozent nennen sich selbst als größtes Hindernis

Ich habe gefragt: Was macht es dir am schwersten, in Konfliktsituationen beziehungsorientiert zu bleiben? 13 von 30, 43 Prozent, sagen: Ich bin selbst zu gestresst oder erschöpft. Nicht fehlendes Wissen oder fehlende Technik, sondern die eigene Erschöpfung in genau diesem Moment.

Die restlichen Antworten verteilen sich auf alte Bekannte: die Angst, dass das Kind sonst lernt, damit durchzukommen, das Gefühl, sich durchsetzen zu müssen, oder schlicht, in dem Moment nicht zu wissen, was man anders machen könnte. Keine davon kommt annähernd an die Erschöpfung heran.

Das heißt für dich: Bevor du an deiner Technik im Streit arbeitest, lohnt sich die Frage, wie erschöpft du in dem Moment eigentlich bist, in dem der Streit passiert.

Weitere Erkenntnisse: Was die Zahlen sonst noch zeigen

Beim Auswerten sind noch ein paar Zahlen aufgefallen:

25 von 30 (83 Prozent) sagen, ein Streit eskaliert bei ihnen nur "selten" oder "ab und zu". Echte Dauer-Machtkämpfe sind mit 4 von 30 die Ausnahme.

Die häufigste erste Reaktion im Stress ist weder Schweigen noch Lautwerden: 9 von 30 erklären noch einmal, warum ihnen die Sache wichtig ist.

7 von 30 (23 Prozent) merken früh, dass aus einem Streit ein Machtkampf wird, und brechen bewusst ab, um später in Ruhe weiterzureden. Niemand hat es in der Umfrage so genannt, aber genau das ist: Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist.

4 von 30 (13 Prozent) drohen mit Konsequenzen, wenn sich ein Streit zum Machtkampf entwickelt. In dieser Stichprobe ist alte Autorität die Ausnahme, nicht die Regel.

Das heißt für dich: Zwischen den 7 von 30, die bewusst abbrechen und später in Ruhe weiterreden, und den 4 von 30, die mit Konsequenzen drohen, liegt genau ein Prinzip der Neuen Autorität: Beharrlichkeit statt Eskalation. Am Thema dranbleiben, ohne im Streit gewinnen zu müssen.

Die Stimmen: Vier Antworten, vier völlig unterschiedliche Wege

Stephanie Haug, (sozial-)therapeutische Fachkraft (familienbegleiten.de), setzt auf Körpersprache, bevor sie überhaupt etwas sagt:

"Ich schaue das Kind bewusst liebevoll unverwandt an [...]. Meine Aufmerksamkeit gilt dem Kind, und ich warte auf ein Zeichen von Kooperation: Blickkontakt. Manchmal fordere ich das auch ein, durch eine kurze Berührung an der Schulter oder ein 'Hey!'"

Sylvia Tornau (sylvia-tornau.de) erkennt ihren eigenen Anspruch wieder, wenn sie ihn bei ihrem Kind einfordert:

"[...] dann erwarte ich vom Kind, was ich in dieser Situation von mir erwarte: funktionieren."

Eine Kita-Fachkraft, anonym, bleibt auch dann präsent, wenn ein Kind sich komplett verschließt:

"Ich bleibe bei dir und lasse dich damit nicht allein [...]"

Und eine Mutter, anonym, hat ihre beste Lektion von ihrem eigenen Sohn bekommen:

"Tief durchatmen und mich daran erinnern, dass ich ich bin und das Kind nicht mein Leben lebt. Oder wie mein Sohn es mit 14 Jahren ausdrückte: Lass mich ich selbst sein."

Vier Antworten, vier völlig unterschiedliche Werkzeuge, Blickkontakt, der eigene Anspruch als Spiegel, Präsenz im Rückzug, der eigene Atem, aber alle landen beim selben Prinzip: Beziehung trotz klarer Grenzen.

Was ich aus 30 Antworten noch nicht weiß

  • Ob sich Fachkräfte und Eltern in ihren Antworten wirklich unterscheiden - die Stichprobe ist dafür zu klein, um das sauber zu trennen.

  • Was mit den 2 von 30 ist, die sich klar für Gehorsam entschieden haben. Ihre Gründe kenne ich nicht, dafür hätte ich nachfragen müssen.

  • Ob die 17 Prozent, denen es im Streit fast immer gelingt, etwas anders machen, das sich lernen lässt, oder ob es eher mit dem Alter der Kinder zusammenhängt.

  • Wie sich das verändert, wenn ich dieselben 30 Menschen in einem Jahr noch einmal frage.

93 Prozent wollen Beziehung. Nur 17 Prozent schaffen das im akuten Streit auch tatsächlich fast immer. Wollen allein reicht im Moment der Anspannung einfach nicht.

Genau da setzt Selbststeuerung an, eines der Grundprinzipien der Neuen Autorität: nicht das Kind unter Kontrolle bringen, sondern zuerst mich selbst. Konkret heißt das: die eine Sekunde trainieren, in der ich merke, dass ich gleich reagiere statt handle, und genau da aussteigen. Nicht die Situation im Streit lösen, sondern sie für später markieren, ein Lesezeichen reinlegen, und das Eisen schmieden, wenn es wieder kalt ist. Trainierst du dir diese eine Sekunde schon bewusst an, oder merkst du erst hinterher, dass du mitten im Streit wieder reagiert statt gehandelt hast?


Wenn du selbst merkst, wie oft dir die eigene Erschöpfung dazwischenfunkt: Das ist kein Grund zur Scham, das ist der Punkt, an dem Veränderung anfangen kann.

Mehr dazu, was Neue Autorität und Systemische Präsenz konkret bedeuten, erkläre ich hier: https://www.terlohr-coaching.de/blog/neue-autoritaet-systemische-praesenz.

Und wenn du dir dafür Unterstützung wünschst, schau gern bei meinem Angebot vorbei: https://www.terlohr-coaching.de/blog/mit-mir-arbeiten.

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Sona Terlohr – Elterncoach
Sona Terlohr

Sona Terlohr, M.A. (sie/ihr)

Elterncoach | Systemische Präsenz & Neue Autorität - Präsenz statt Macht.

ÜBER MICH: Ich begleite Eltern in herausfordernden Familiensituationen mit Klarheit, Beziehung und Haltung. Ich liebe es, echte Gespräche zu führen, die etwas in Bewegung bringen – im Coaching, in Workshops, im Netzwerk. Und hier in meinem Blog. Seit 2025, nach Abschluss meiner Weiterbildung am Institut Weinheim bei Dennis Haase, liegt mein Schwerpunkt auf Elterncoaching nach Neuer Autorität.

Manchmal beginnt Veränderung genau in dem Moment, in dem du aufhörst zu kämpfen – und anfängst, präsent zu sein.

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