Meine Prognose für 2026: Was Business Coaching, Elterncoaching und pädagogische Weiterbildung wirklich verändern wird
Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, dann denke ich nicht zuerst an neue Methoden, Programme oder Konzepte - obwohl ich in meiner Weiterbildung zum Elterncoach auch wirklich beeindruckende Methoden kennengelernt habe 😉 - stattdessen denke ich an Gespräche. An Pausen zwischen Terminen. An Menschen, die mir gegenübersitzen und sagen:
„So wie bisher geht es nicht weiter.“
Das höre ich im Business Coaching.
Das höre ich im Elterncoaching.
Und das höre ich immer öfter von pädagogischen Fachkräften.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern eher leise, erschöpft und nachdenklich.
Viele sind nicht überfordert, weil sie ihren Beruf oder ihre Rolle nicht beherrschen.
Sondern weil sie ständig funktionieren sollen.
Im Job. In der Familie. Im System.
Deshalb sind Prognosen für mich keine Spielerei zum Jahresende -
sie sind ein Versuch, Worte für das zu finden, was sich bereits in diesem Jahr gezeigt hat.
Nicht als Wahrheit, sondern als Einladung zum Innehalten.
Meine Prognose für 2026 basiert nicht auf Studien oder Trendpapieren.
Sie entsteht aus Begegnungen, aus Workshops, aus Coachings.
Aus dem, was Menschen mir erzählen.
Hier sind fünf Entwicklungen, die ich für 2026 sehr deutlich sehe.
Inhalt
Prognose 1: Coaching wird weniger Methode und mehr Haltung
Prognose 2: Weiterbildung wird körperlicher, langsamer und wieder praxisnah
Prognose 3: Elterncoaching wird selbstverständlicher und weniger tabu
Prognose 4: Erschöpfung wird sichtbar – und darf endlich benannt werden
Prognose 5: Coaching wird politischer – ohne politisch zu sein
Prognose 1: Coaching wird weniger Methode und mehr Haltung
Ich erlebe im Moment eine große Müdigkeit gegenüber Methoden.
Nicht nur bei Fachkräften, auch bei Führungskräften und Eltern.
Viele haben schon alles ausprobiert.
Neue Tools. Neue Modelle. Neue Begriffe.
Und trotzdem bleibt dieses Gefühl: Es wird nicht wirklich leichter.
Ich glaube, 2026 wird das Jahr, in dem Coaching wieder leiser wird.
Weniger erklärend. Weniger optimierend.
Dafür klarer in der Haltung.
Menschen suchen nicht mehr nach der einen richtigen Technik.
Sie suchen nach einem Gegenüber, das zuhört, ohne sofort zu wissen.
Das Fragen stellt, ohne gleich zu lösen.
Das aushält, dass nicht alles sofort besser wird.
Im Business Coaching zeigt sich das darin, dass Führung weniger über Effizienz und mehr über Verantwortung spricht.
Im Elterncoaching geht es weniger um Erziehungsstile und mehr um Beziehung und Selbstregulation.
Und in der pädagogischen Weiterbildung spüre ich ein starkes Bedürfnis nach Echtheit.
Coaching wird 2026 weniger erklären, wie etwas geht.
Und mehr Räume öffnen, in denen Menschen spüren, was für sie stimmig ist.
Echte Entwicklung entsteht nicht durch perfekte Methoden.
Sondern durch tragfähige Beziehungen und einer klaren Haltung.
Haltung von Führungskräften, Eltern, Coaches und ja, zum Beispiel auch von mir - ich zeige mich. Ich erzähle von meinen Erfahrungen, meinen Gedanken, meinen Werten. Vielleicht können wir uns so von der KI unterscheiden, wenn wir persönlicher werden und bewusst entscheiden, wen möchten wir kennenlernen, mit wem möchten wir in Beziehung treten, mit wem möchten wir wie arbeiten?
Wer Haltung und Persönlichkeit zeigt, baut damit automatisch auch seine Marke auf. In 2026 werden viele Blogger die Entscheidung treffen, nun doch mit ihrem eigenen Namen und Gesicht aufzutreten. Der Faceless-Trend ist definitiv vorbei!
Prognose 2: Weiterbildung wird körperlicher, langsamer und praxisnah
Ich glaube, dass 2026 ein Wendepunkt für Weiterbildung wird.
Nicht, weil es plötzlich neue Inhalte gäbe, sondern weil sich die Art des Lernens verändert.
Und weil es überall Haushaltskürzungen und Sparzwänge gibt, bei gleichzeitig steigender Belastung.
Darum brauchen wir die Weiterbildung, die spürbar einen Mehrwert bringt - und die gut tut.
Weiterbildung, die nicht spürbar ist, wird 2026 nicht mehr reichen.
Viele pädagogische Fachkräfte, aber auch Führungskräfte und Eltern, sind müde vom Sitzen, Zuhören und Mitdenken.
Sie haben unzählige Fortbildungen besucht, Präsentationen gesehen, Handouts abgeheftet.
Und trotzdem bleibt oft die Frage:
Was davon kommt wirklich im Alltag an?
Was brauche ich und was hilft?
In unseren Workshops erleben wir immer wieder denselben Moment:
sobald Menschen ins Tun kommen, verändert sich etwas.
Wenn sie draußen sind, Materialien in der Hand haben, sich bewegen, ausprobieren, scheitern und neu ansetzen dürfen, entsteht Lernen fast nebenbei.
2026 wird Weiterbildung weniger frontal und weniger kopflastig sein.
Sie wird langsamer. Körperlicher. Erfahrungsorientierter.
Nicht als Event, sondern als Prozess.
Das gilt besonders für pädagogische Teams.
Viele von ihnen arbeiten ohnehin permanent mit ihrem Körper, mit Präsenz und Aufmerksamkeit.
Eine Weiterbildung, die das ignoriert, fühlt sich schnell wie zusätzliche Belastung an.
Umgang mit Feuer & Schnitzmesser, Gemüsekunde und dann ums Feuer herum sitzen und die Suppe genießen.
Ich sehe eine klare Bewegung hin zu Formaten, in denen Fachkräfte selbst erleben dürfen, wie Lernen sich anfühlt, wenn es nicht bewertet, nicht beschleunigt und nicht perfektioniert wird.
Sondern wenn es Raum gibt für Unsicherheit, Austausch und echtes Ausprobieren.
In dem Blogartikel Warum der Außenraum ein wichtiger Bildungsort ist schreibt Harald im Dezember 2025:
Draußen zu arbeiten kann zu einer echten Entlastung werden und wirkt langfristig sogar präventiv gegen typische Belastungen wie Lärm, innere Anspannung und Erschöpfung.
Diese Form von Weiterbildung braucht keine großen Budgets und keine perfekt gestalteten Räume.
Sie braucht eine klare Haltung und die Bereitschaft, nicht alles im Voraus festzulegen.
2026 wird Weiterbildung dann wirksam, wenn sie Menschen nicht noch mehr fordert, sondern sie stärkt.
Wenn sie nicht erklärt, wie etwas sein sollte, sondern erfahrbar ist.
Prognose 3: Elterncoaching wird selbstverständlicher und weniger tabu
Ich erlebe eine leise, aber deutliche Veränderung:
Eltern kommen nicht mehr, weil sie etwas „falsch“ gemacht haben.
Sie kommen, weil sie merken, dass sie Unterstützung brauchen.
Nicht, um bessere Eltern zu werden.
Sondern um handlungsfähig zu bleiben.
Viele Eltern stehen heute zwischen hohen Erwartungen, strukturellem Druck und eigenen Ansprüchen.
Sie sollen präsent sein, konsequent, feinfühlig, belastbar und dabei möglichst gelassen.
Und oft haben sie das Gefühl, all dem gleichzeitig gerecht werden zu müssen.
2026 wird Elterncoaching aus meiner Sicht weniger erklärend und weniger beratend.
Es wird noch weniger um Erziehungstipps gehen und noch mehr um Orientierung und Haltung.
Um Entlastung und um das Wiederfinden des eigenen inneren Kompasses.
Ich glaube, dass Elterncoaching normaler wird.
Nicht als letzter Ausweg, sondern als präventiver Raum.
So wie Supervision für Fachkräfte oder Coaching für Führungspersonen.
Was Eltern suchen, ist selten die perfekte Lösung.
Sie suchen jemanden, der zuhört, ohne zu bewerten.
Der aushält, dass es widersprüchlich ist.
Und der nicht sofort weiß, wie es richtig geht.
In meiner Arbeit merke ich, wie wohltuend es für Eltern ist, wenn sie merken, dass sie nicht alleine sind.
Dass Zweifel dazugehören.
Und dass Entwicklung Zeit braucht.
2026 wird Elterncoaching weniger über Kinder sprechen und mehr über Erwachsene.
Über Selbstregulation, Verantwortung und Beziehung.
Denn Eltern, die sich selbst wieder ernst nehmen dürfen, handeln klarer, ruhiger und verbundener.
Nicht perfekt. Aber echt.
Prognose 4: Erschöpfung wird sichtbar – und darf endlich benannt werden
Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen ihre Erschöpfung sehr gut organisieren.
Sie funktionieren und sie leisten.
Und sie hoffen, dass es irgendwann wieder leichter wird.
In Coachings höre ich oft Sätze wie:
„Eigentlich geht es mir gut, aber …“
„Ich weiß gar nicht, warum mich das so anstrengt.“
„Andere schaffen das doch auch.“
2026 wird aus meiner Sicht das Jahr, in dem wir aufhören, so zu tun, als wäre Daueranspannung normal.
Erschöpfung ist dabei nicht immer laut.
Sie zeigt sich in Gereiztheit, Rückzug, innerer Leere oder dem Gefühl, ständig hinterherzulaufen.
Viele Menschen sind nicht krank, aber auch nicht wirklich gesund.
Im Business Coaching wird deutlicher werden, dass Leistung nicht unabhängig vom Nervensystem gedacht werden kann.
Im Elterncoaching zeigt sich, wie stark chronische Anspannung Beziehungen belastet.
Und in der pädagogischen Arbeit wird immer klarer, dass Fachkräfte keine unerschöpfliche Ressource sind.
Ich glaube, dass 2026 weniger nach schnellen Lösungen gefragt wird.
Stattdessen wächst das Bedürfnis nach ehrlichen Rahmenbedingungen.
Nach Pausen, die wirklich Pausen sind und nach Arbeitsweisen, die nicht ständig über die eigenen Grenzen gehen.
Erschöpfung zu benennen heißt nicht, schwach zu sein.
Es heißt, Verantwortung zu übernehmen.
Für sich selbst und insbesondere auch für die Menschen, mit denen wir arbeiten.
2026 wird das Jahr, in dem wir aufhören, so zu tun, als wäre alles machbar.
Vielleicht ist genau das der nächste Schritt.
Nicht noch mehr aushalten, sondern ernst nehmen, was längst spürbar ist.
Prognose 5: Coaching wird politischer – ohne politisch zu sein
Ich glaube, dass Coaching sich 2026 nicht von den äußeren Rahmenbedingungen trennen kann.
Nicht, weil Coaches plötzlich Stellung beziehen sollen.
Sondern weil die Lebensrealitäten der Menschen immer stärker von Strukturen geprägt sind, die sie selbst kaum beeinflussen können.
In Gesprächen höre ich immer öfter Sätze wie:
„Eigentlich weiß ich, was mir guttun würde, aber es geht gerade nicht.“
„Ich stoße immer wieder an Grenzen, egal wie sehr ich mich bemühe.“
Das sind keine individuellen Defizite, sondern systemische Spannungen.
Im Business Coaching heißt das, auch über Arbeitsverdichtung, Verantwortung und Entscheidungsräume zu sprechen.
Im Elterncoaching geht es darum anzuerkennen, wie wenig gesellschaftliche Unterstützung Familien oft tatsächlich haben.
Und in der pädagogischen Arbeit wird deutlicher, dass Engagement allein keine strukturellen Probleme lösen kann.
Menschen brauchen keine zusätzlichen Strategien, um Unmögliches möglich zu machen.
Sie brauchen Orientierung, Schutzräume und die Erlaubnis, Grenzen zu benennen.
Vielleicht ist das die politische Dimension von Coaching im Jahr 2026.
Haltung zu finden, mit Klarheit die eigenen Werte zu leben. In Beziehung und Verbindung zu gehen, damit die Gemeinschaft zu stärken und darin Sicherheit zu spüren.
Was brauchst du, um 2026 nach deinen Werten zu handeln?
Ein Ausblick auf 2026
Wenn ich all diese Prognosen zusammennehme, dann entsteht für mich kein Bild von schneller Veränderung oder einfachen Lösungen,
sondern von einer langsamen Verschiebung, hin zu mehr Ehrlichkeit, mehr Beziehung und mehr Verantwortung füreinander.
2026 wird kein Jahr, in dem alles leichter wird.
Aber vielleicht eines, in dem wir genauer hinschauen.
Auf unsere Arbeitsweisen UND auf unsere Erwartungen.
Auf das, was wir Menschen wirklich brauchen, um handlungsfähig zu bleiben.
Coaching, egal ob im Business, in Familien oder im pädagogischen Kontext, wird dabei nicht die Antwort auf alles sein.
Aber es kann ein Raum sein, in dem Fragen erlaubt sind, in dem Unsicherheit Platz hat.
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