Aussenraum-Gestaltung in der Kita: 7 konkrete Schritte statt neuer Spielgeräte

Viele Kitas überlegen aktuell, ihren Außenraum neu zu gestalten und stärker als Lernort zu nutzen. Vielleicht gibt es den Wunsch nach einer Draußengruppe. Vielleicht ist das Außengelände funktional, aber wenig inspirierend. Vielleicht steht die Frage im Raum: Müssen wir wirklich neue Spielgeräte anschaffen, um draußen sinnvoll arbeiten zu können?

Meine Antwort ist klar: Nein.

Draußenarbeit beginnt nicht mit einer neuen Schaukel.
Sie beginnt mit einer Entscheidung – und mit ein paar einfachen Materialien.

Was Kinder brauchen, sind keine fertigen Geräte. Sie brauchen Räume, die sie verändern dürfen. Räume, in denen sie arbeiten, bauen, graben, gestalten und Verantwortung übernehmen können. Und das funktioniert auch auf kleinen städtischen Flächen.

Hier kommen 7 Dinge, mit denen ihr sofort starten könnt.

1. Muttererde statt Fallschutz in den Außenraum der Kita

Lasst euch 10 Kubikmeter Muttererde liefern.
Einfach abkippen lassen. Fertig.

Oder – noch besser – vor dem Gelände abladen und mit Schubkarren gemeinsam hineintransportieren, ggf. sogar mit den Eltern. Die erste pädagogische Aktion beginnt mit der Lieferung.

Erde ist kein Spielgerät. Erde ist Material. Hier können sie sich “abarbeiten”. Sie spüren ihren Körper, vielleicht müssen sie sich gegenseitig helfen und kommen an ihre Grenzen. Sie arbeiten und schaffen gemeinsam etwas neues, etwas sinnvolles. Sprachanlässe ohne Ende inklusive. Das ist Selbstwirksamkeit und kann sehr befriedigend sein.

Kinder können:

  • graben

  • modellieren

  • Hügel bauen

  • Wasserläufe anlegen

  • Pflanzen setzen

  • experimentieren

Eine „Matschzone“ ist lebendiger als jede Kunststoffrutsche.

2. Schubkarren in Kindergröße

Schubkarren sind Bewegungs- und Arbeitsgerät zugleich.

Sie fördern:

  • Kraft

  • Koordination

  • Teamarbeit

  • Verantwortung

Und sie verändern die Dynamik im Außenraum.
Plötzlich wird getragen, transportiert, organisiert und dabei - ich kann es nicht oft genug betonen - ganz natürliche Sprachanlässe, die sich im Tun ergeben. Vielleicht habt ihr Glück und die Schubkarren müssen noch montiert werden? Sehr gute Gelegenheit für eine neue, echte Aufgabe für die Kinder: Teamarbeit, Feinmotorik, planvolles Arbeiten u.v.m. Achtet beim Kauf eine gute Qualität, und dass es ein Arbeitsgerät ist, kein Spielzeug.

3. Echte, stabile Werkzeuge für die Kita

Keine dünnen Plastikschaufeln.
Sondern stabile „Schatzsucher-Schaufeln“ in Kindergröße. Ein paar Handsägen und Hämmer sind immer sinnvoll. Zollstöcke und dicke Bleistifte. Raspeln gehören auch in jeden Kita-Werkzeugkoffer - das sind grobe Feilen, mit denen Kinder fast jeden Alters Spuren in Holz hinterlassen können.

Wer ernsthaft arbeitet, braucht Werkzeug dazu.

Das verändert Haltung – bei Kindern und Erwachsenen.

4. Zugang zu Wasser im Kita Aussenraum

Erde ohne Wasser ist nur der halbe Spaß.
Mit Wasser wird es zum Forschungsraum. Ein einfacher Wasseranschluss oder ein Tank genügt. Auch Gießkannen und zur Not einfach ein paar Töpfe mit Wasser sind besser als gar kein Wasser. Ja, das erzeugt Matsch, die Kinder werden dreckig, die Kleidung, die Umgebung - das gehört dazu und auch hier lässt sich durch Planung, klare Regeln und eine gute Vorbereitung vieles machbarer gestalten. Wenn euch etwas zu aufwendig vor kommt - das ist mir zu anstrengend! Das macht mir ja nur extra Arbeit! Das lohnt doch die Mühe nicht! - überlegt, ob es Lösungen gibt. Einfach weglassen ist die schlechteste Option.

Kinder erleben:

  • physikalische Prozesse

  • Ursache und Wirkung

  • Veränderbarkeit von Material

Und ganz nebenbei entstehen die besten Gemeinschaftsprojekte und Rollenspiele mit unendlichen Sprachanlässen. Fragt gerne in der Elternschaft und Nachbarschaft nach alten Töpfen und Pfannen - sie eignen sich hervorragend für die Matschküche - und sind auch “echt”.

5. Holz, Stämme, Äste - bauen in der Kita

Über städtische Umweltbetriebe oder Baumärkte lassen sich oft günstig oder kostenlos Materialien organisieren:

  • Baumstämme

  • Stümpfe

  • Äste

  • Holzbohlen

Keine fertigen Spielgeräte. Sondern Bauelemente. Hier beginnt echte Konstruktion.

6. Passende Kleidung für die Draußenarbeit – und Eltern mitnehmen

Draußenarbeit scheitert selten am Gelände. Sie scheitert an Unschlüssigkeit oder Unsicherheit. Dagegen hilft eine gute Vorbereitung, zum Beispiel ist auch die richtige Kleidung wichtig:

Ohne passende Kleidung wird Draußenarbeit zur Belastung.
Mit guter Kleidung wird sie zum Genuss. Dann ist es keine Frage mehr, ob man sich dreckig machen darf, oder ob man sich auf den nassen Baumstamm setzen kann. Stattdessen können Kinder und Erwachsene sich frei bewegen.

Ein Elternabend zur „Draußenhaltung“ wirkt Wunder. (Und Achtung, dabei wird es auch viel um Sicherheit und Gesundheit gehen, aber auch um Feinmotorik und Schulvorbereitung….siehe z.B. in dem hier verlinkten Artikel 👇)

Gerade im Winter zeigt sich:
Entscheidend ist nicht die Außentemperatur, sondern die gefühlte Temperatur – also Bewegung, Tätigkeit, Gemeinschaft und passende Ausrüstung. Warum Draußenarbeit auch im Winter wichtig und sinnvoll ist, habe ich hier beschrieben.

7. Haltung statt Spielplatz

Rutschen und Schaukeln gibt es auf jedem Spielplatz und das ist auch gut und richtig so. Aber sie machen Kinder zu Nutzerinnen.
Erde, Holz und Wasser machen sie zu Gestalterinnen.

Draußenarbeit bedeutet:

  • echte Materialien

  • echte Verantwortung

  • echte Erfahrungen

Regeln werden erlebt, nicht erklärt.
Gemeinschaft entsteht durch gemeinsames Tun.

Und ja – es funktioniert auch im Winter.

Warum Draußenarbeit in Kitas und Schulen so wirksam ist

Draußen:

  • verteilt sich Lärm

  • entsteht natürliche Bewegung

  • entstehen notwendige echte Sprachanlässe

  • wächst Selbstwirksamkeit

  • werden Regeln unmittelbar verständlich

  • entsteht nachhaltige Bildung (BNE)

Kinder lernen mit dem ganzen Körper. Wenn ihr weiterlesen möchtet, warum der Außenraum ein wichtiger Lernort ist, lest gerne hier.

Wenn ihr euren Aussenraum nicht nur verändern, sondern konzeptionell weiterentwickeln wollt

Diese 7 Punkte sind ein Start. Niedrigschwellig. Sofort umsetzbar. Ohne große Planung.

Wenn ihr:

  • eine Draußengruppe gründen wollt

  • euren Außenraum konzeptionell neu denken möchtet

  • Teamunsicherheiten klären wollt

  • Eltern sicher mitnehmen wollt

dann begleite ich euch gern in Workshops, Teamtagen oder individueller Beratung „Draußenraum“. Ruft mich gerne an 0178 6837277 oder schreibt mir👉 harald@terlohr-coaching.de.

Nicht lang schnacken. Machen.

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