Draußenarbeit im Winter: Warum die gefühlte Temperatur entscheidend ist
Die richtige Ausrüstung ist alles 😉
Warum draußen sein gerade im Winter so wertvoll ist
Es ist Winter, es ist kalt, der Himmel ist grau, die Kleidung nass.
Muss man jetzt wirklich mit Kindern nach draußen?
Meine Antwort, aus tiefster Überzeugung und jahrelanger Erfahrung:
Ja. Gerade dann.
Denn der Winter ist kein Hindernis für pädagogische Arbeit – er ist ein Verstärker.
Er macht sichtbar, was Haltung, Beziehung und echtes Tun bewirken können.
Entscheidend ist dabei nicht die Temperatur auf dem Thermometer, sondern die gefühlte Temperatur.
Sie entsteht durch Bewegung, sinnvolle Tätigkeiten, passende Kleidung, Gemeinschaft und die innere Haltung der Erwachsenen.
Wenn all das zusammenkommt, verliert Kälte ihren Schrecken – und draußen wird zu einem kraftvollen Lern- und Entwicklungsraum.
Draußenarbeit im Winter – warum Kälte kein Hindernis ist
Mit Kindern im Winter draußen zu sein bedeutet nicht, Bedingungen zu ignorieren. Es bedeutet, sie bewusst zu gestalten.
Draußen gibt es kein schlechtes Wetter - dieser Satz klingt abgedroschen und ist doch wahr. Kinder kommen nicht mit einer Abneigung gegen Regen, Kälte oder Wind auf die Welt. Sie lernen sie, meist von uns Erwachsenen. Wenn wir als Team überzeugt sind, wenn wir selbst sagen können: Ja, das geht. Ja, das ist gut. Dann spüren Kinder das sofort. Dann wird Nieselregen zu einem Abenteuer, Frost zu einer Entdeckung und Schnee (oder auch nur Matsch) zu einem riesigen Spielraum.
Warum Draußenarbeit grundsätzlich so wertvoll für Kinder ist – unabhängig von der Jahreszeit – habe ich in einem weiteren Artikel beschrieben: Warum Draußenarbeit wichtig ist
Draußenarbeit im Winter – das Wichtigste auf einen Blick
Draußenarbeit im Winter bedeutet, Kinder ganzjährig bewusst im Außenraum zu begleiten.
Sie:
• fördert Gesundheit und Immunsystem
• stärkt Gruppenzusammenhalt
• unterstützt Motorik und Selbstwahrnehmung
• macht Regeln sinnvoll und erlebbar
• braucht Haltung, Vorbereitung und passende Kleidung
Entscheidend ist nicht die Außentemperatur, sondern die gefühlte Temperatur.
Was Kinder draußen wirklich warm hält
Die gefühlte Temperatur entsteht durch:
• Bewegung
• sinnvolle Tätigkeiten
• passende Kleidung
• Gemeinschaft
• innere Haltung der Erwachsenen
Wenn Kinder sich bewegen, Aufgaben haben und Teil einer Gruppe sind, tritt Kälte in den Hintergrund. Wärme entsteht durch Tun, Beziehung und Präsenz.
Frische Luft im Winter: Warum Kinder seltener krank sind
Ein ganz praktischer Vorteil der Draußenarbeit im Winter ist die Gesundheit. Gerade in den Wintermonaten, wenn sich viele Kinder (und Erwachsene) stundenlang in geschlossenen Räumen aufhalten, steigen Erkältungen, Infekte und Krankheitsausfälle deutlich an.
Viel frische Luft bedeutet weniger Infekte. Draußen ist die Luft ständig in Bewegung, Viren und Bakterien haben weniger Chancen, sich zu sammeln. Viele Einrichtungen berichten von deutlich weniger Krankheitsausfällen. Das ist kein Zufall, sondern eine logische Folge.
Und noch etwas: Kinder, die regelmäßig draußen sind, entwickeln ein besseres Körpergefühl. Sie lernen, sich selbst wahrzunehmen: Ist mir warm? Brauche ich Bewegung? Muss ich etwas sagen, wenn mir kalt wird?
Gemeinschaft entsteht draußen ganz von selbst
Draußenarbeit im Winter stärkt den Gruppenzusammenhalt auf eine besondere Weise.
Warum?
Weil draußen vieles nicht selbstverständlich ist. Man muss sich absprechen, aufeinander achten, gemeinsam Lösungen finden.
Wo wärmen wir uns auf?
Wer hilft beim Anziehen?
Wer trägt Holz?
Wer passt auf, dass niemand zu nah ans Feuer kommt?
Gemeinsame Herausforderungen verbinden. Kinder erleben sich als Teil einer Gemeinschaft, die zusammen durch Kälte, Wind und Dunkelheit geht. Genau darin liegt eine enorme Kraft. Sie stärkt Selbstvertrauen, Verantwortungsgefühl und soziale Kompetenz.
Regeln werden draußen erlebt – nicht erklärt
Gerade im Winter sind Regeln draußen nicht abstrakt, sondern unmittelbar sinnvoll.
Warum trage ich Handschuhe?
Warum halte ich Abstand zum Feuer?
Die Regeln ergeben sich aus der Situation heraus. Sie dienen dem Schutz, der Sicherheit und dem Miteinander – und genau das verstehen Kinder draußen oft viel schneller als in künstlichen Settings.
Regeln müssen nicht erklärt werden.
Sie werden erlebt.
Warum Draußenarbeit besonders wertvoll für die Entwicklung ist
Unabhängig von der Jahreszeit – aber im Winter besonders deutlich – bietet Draußenarbeit enorme Vorteile:
Platz und Raum: Bewegung ist selbstverständlich, nicht störend
Lautstärke: Laut sein darf sein – ohne andere zu stören
Bewegung: Grobmotorik, Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer werden automatisch trainiert
Ausgeglichenheit: Kinder kommen innerlich zur Ruhe, obwohl (oder gerade weil) sie sich körperlich auspowern
Umwelterziehung und praktische Bildung Nachhaltige Entwicklung (BNE): Natur wird nicht erklärt, sondern erlebt
Jahreszeitenbezug: Kinder spüren den Wechsel der Natur mit allen Sinnen
Feinmotorik: Schnitzen, Knoten, Knüpfen, Holz bearbeiten – alles echte, sinnvolle Tätigkeiten
Gerade mit Blick auf die Grundschulvorbereitung ist das enorm wertvoll.
Feinmotorik entsteht nicht nur durch Stift und Schere, sondern durch echte Arbeit mit den Händen.
Ab welchem Alter ist Draußenarbeit sinnvoll?
Grundsätzlich gilt: Draußenarbeit ist in jedem Alter möglich. Ich habe auch mit Krabbelkindern sehr gerne und viel draußen gearbeitet, allerdings eher in wärmeren Jahreszeiten, weil die dicke Kleidung sie stark in ihrer Bewegung einschränkt und der Bodenkontakt sie noch mehr frieren lässt. In der Schweiz gibt es auch U3 Kindergärten draußen, aber die Kinder sollen eigenständig gehen können.
Spätestens ab Ü3 profitieren Kinder enorm davon. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Haltung der Erwachsenen, die Vorbereitung und die Rahmenbedingungen.
Kleidung, Aufmerksamkeit und Verantwortung
Ohne gute Kleidung wird Draußenarbeit im Winter zur Qual.
Mit guter Kleidung wird sie zum Genuss.
Wichtig sind:
das Zwiebelprinzip
wasser- und winddichte Kleidung
warme, passende Schuhe
Ersatzkleidung
Hier braucht es Aufklärung, Geduld und Zusammenarbeit mit den Eltern. Niemandem ist geholfen, wenn Kinder frieren, weil Kleidung nicht passt.
Calzone auf dem Feuer gebacken und Steine markieren, wem welche gehört
Praxisbeispiel: Winter im Draußenkindergarten
Ich hatte das große Glück, in einem Draußenkindergarten zu arbeiten, in dem wir regelmäßig mit einer Feuerschale gearbeitet haben.
Im Winter bin ich oft im Dunkeln gegen 7:30 Uhr angekommen und habe als Erstes das Feuer angezündet. Wenn die Kinder ab 8 Uhr gebracht wurden, trafen wir uns im Dunkeln am Lagerfeuer.
Wie kann ein Morgen schöner beginnen?
Das Feuer war Wärmequelle, Treffpunkt, Mittelpunkt und Lernort zugleich.
Wir haben Holz gehackt (ja – danach war allen warm), Holz gestapelt, Morgenkreis gemacht, geschnitzt, Gemüse geschnitten und Suppe gekocht, Brot oder Pizza gebacken.
Wir waren 15 Kinder und zwei Erwachsene.
Und es hat funktioniert – nicht trotz, sondern wegen des Draußenseins.
Wärme bewusst gestalten
Neben dem Feuer haben wir Ziegelsteine unter der Feuerschale aufgeheizt und später als „Wärmesteine“ genutzt.
Außerdem gab es bewusst eingeplante Aufwärmpausen drinnen:
Malen
Vorlesen
Kuschelige Ruhezeiten
Nicht als Flucht nach drinnen, sondern als sinnvolle Ergänzung.
Bewegung hält warm
Bewegung ist der beste Wärmespender.
Draußen eignen sich zum Beispiel gut:
Ente, Ente, Gans
Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?
Lauf- und Fangspiele
Sammelaufgaben
Zum Beispiel: Finde fünf verschiedene Blätter, sammle sie, bestimme sie gemeinsam und zeichne sie später in einer Wärmepause.
Wenn Kinder Kälte nicht spüren
Ein wichtiger Punkt: Kinder sind oft so vertieft in ihr Tun, dass sie Kälte nicht bewusst wahrnehmen. Hier braucht es die aufmerksame Begleitung der Erwachsenen.
Kalte Hände, blasse Gesichter, Zittern – all das sollten wir im Blick behalten und rechtzeitig reagieren.
Ohne Team und Eltern geht es nicht
Draußenarbeit im Winter funktioniert nur, wenn:
das Team überzeugt ist
niemand gezwungen wird
die Leitung dahintersteht
Eltern gut informiert sind
In unserem Kindergarten haben wir regelmäßig sogenannte “Waldbriefe” an die Eltern geschickt:
Was haben wir erlebt? Was haben wir gemacht? Was haben die Kinder gelernt?
Auf Elternabenden haben wir über Vorteile, Risiken und Kleidung gesprochen. Ein Vater hatte immer eine Schmutzdecke und Ersatzgummistiefel im Auto – so konnte er sein „waldverschmutztes“ Kind ganz entspannt abholen.
Und ja: Aus so manchem (angeblichen) Stubenhocker wurde mit der Zeit ein echter Draußenfan.
Draußenarbeit und Haltung
Draußenarbeit im Winter passt eng zur Haltung der Neuen Autorität.
Es geht um Präsenz statt Kontrolle, Beziehung statt Bewertung und Verantwortung statt Macht.
Wie sich diese Haltung auch in kleinen, bedingungslosen Zeichen der Zuwendung zeigt, habe ich in einem weiteren Artikel beschrieben Beziehungsgesten statt Lob
Fazit: Draußenarbeit im Winter ist eine Haltung
Die Möglichkeiten, mit Kindern im Winter draußen zu arbeiten, sind überall unterschiedlich.
Rahmenbedingungen, Gelände, Teamgröße und Ausstattung variieren.
Und doch bin ich überzeugt:
Wenn wir innerlich klar sind und wirklich daran glauben, dass es gut und richtig ist, mit Kindern das ganze Jahr über draußen zu arbeiten, dann entstehen Wege.
Nicht immer perfekt.
Nicht immer bequem.
Aber auch Kompromisse machen die Arbeit lebendig, wirksam und nachhaltig. Hauptsache man tun, Hauptsache, man fängt an.
Draußen ist kein Ort.
Draußen ist eine Haltung.
In Bremen fährt man Fahrrad
Häufige Fragen zur Draußenarbeit im Winter
Ist Draußenarbeit im Winter für Kinder gesund?
Ja. Regelmäßiger Aufenthalt im Freien stärkt das Immunsystem und reduziert Infekte.
Ab welcher Temperatur können Kinder draußen arbeiten?
Es gibt keine feste Temperaturgrenze. Entscheidend ist die gefühlte Temperatur.
Ab welchem Alter ist Draußenarbeit sinnvoll?
Grundsätzlich in jedem Alter, spätestens ab Ü3 – bei guter Vorbereitung.
Wie können Eltern überzeugt werden?
Durch transparente Information, Gespräche und das Sichtbarmachen positiver Erfahrungen.
Lust auf Begleitung oder Austausch?
Vielleicht spürst du beim Lesen ein inneres Nicken.
Oder auch Zweifel, Fragen, Unsicherheit.
Genau hier setze ich an.
Ich begleite Kitas, Teams und pädagogische Fachkräfte dabei,
Draußenarbeit als Haltung zu entwickeln
Sicherheit im Umgang mit Eltern zu gewinnen
praktikable Konzepte für alle Jahreszeiten zu finden
In Workshops, Teamtagen, Elternabenden oder individueller pädagogischer Begleitung.
Wenn du magst, lass uns ins Gespräch kommen.
Ich freue mich auf den Austausch.
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