Was sich mit 18 ändert – 80 Dinge, die Eltern (und junge Erwachsene) wissen sollten

Wenn ein Kind 18 wird, ändert sich mehr als nur eine Zahl.

Mit der Volljährigkeit verschieben sich Rollen, Zuständigkeiten und Verantwortungen – rechtlich, organisatorisch und emotional.

Letzte Woche habe ich in meinem Blogartikel “Ich weiß, was Du vor 18 Jahren getan hast: Mein Kind wird erwachsen” darüber geschrieben, wie es sich anfühlt, wenn ein Kind 18 wird. Wie plötzlich alles wieder da ist: die Nacht der Geburt, die ersten Tage, die Jahre dazwischen. Wie stolz und wie melancholisch ich bin. Wie sehr sich Rollen verschieben – auch wenn das Kind immer mein Kind bleiben wird.

„Ich habe keine Antworten und suche sie heute auch nicht.“

So habe ich es geschrieben. Und das stimmt noch immer.

Und dann – ein paar Tage später – habe ich mich geschüttelt.
Nicht innerlich, sondern ganz praktisch.
Denn neben all den Gefühlen ändert sich mit dem 18. Geburtstag auch etwas sehr Konkretes.

Diese Liste sammelt 80 Dinge, die sich mit 18 ändern – rechtlich, organisatorisch und im Alltag.

Sie ist kein Ratgeber im juristischen Sinn, sondern eine aus elterlicher Erfahrung entstandene Übersicht über das, was mit der Volljährigkeit plötzlich nicht mehr automatisch läuft.

Zum Geburtstag haben wir eine Dokumentenmappe verschenkt.
Geburtsurkunde, Ausweise, Versicherungsnummern – alles an einem Ort. Ein schönes, symbolisches Geschenk.

Aber eben auch nur der Anfang.

Denn Erwachsenwerden bedeutet nicht nur Stolz, Freiheit und neue Möglichkeiten,
sondern auch Briefe, Zuständigkeiten, Verantwortung – und Dinge, die plötzlich nicht mehr automatisch laufen.

Deshalb folgt hier nun das Praktische.

Hier kommt sie nun, unsere ganz persönliche Liste der Dinge, die sich mit 18 ändern. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ohne rechtliche Beratung und ausdrücklich unter Ausschluss jeglicher Haftung – dafür aus elterlicher Erfahrung zusammengestellt.

Vielleicht ist es schön, sich einmal gemeinsam hinzusetzen und diese Liste zu lesen. Nicht alles muss sofort geregelt sein. Aber vieles einmal gehört bzw. auch gesagt zu haben, hilft.

Die Dokumentenmappe – was wir hineingelegt haben

  • Personalausweis / Reisepass

  • Geburtsurkunde

  • Steuer-ID

  • Sozialversicherungsnummer

  • Krankenkassenkarte

  • Impfpass

  • Versicherungsunterlagen (soweit vorhanden)

  • Bankunterlagen

  • Schul‑, Ausbildungs‑ oder Studienbescheinigungen

  • Notfallkontakte

  • PINs & Zugangshinweise

(Wir haben dafür diese Dokumentenmappe mit Reißverschluss verwendet → https://amzn.to/3Nhp8no

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80 Dinge, die sich mit 18 ändern können

1️⃣ Rechtliches & Personelles

1 . Volljährigkeit – Ende der elterlichen Sorge

2. Recht auf eigene Entscheidungen (medizinisch, rechtlich etc.)

3. Zugang zu eigenen Behördenpost

4. Eigene Unterschrift bindet rechtlich

5. Eltern dürfen ohne Vollmacht keine Auskünfte einholen

2️⃣ Vorsorge & Notfallregelungen

6. Vorsorgevollmacht sinnvoll (für Notfälle)

7. Patientenverfügung ergänzend empfohlen

8. Betreuungsverfügung als weitere Vorsorgeoption

9. Person benennen, die Entscheidungen übernehmen darf

10. Notfallkontakte aktualisieren

3️⃣ Finanzen & Verträge

11. Eigene Bankkonten sind voll rechtlich bindend

12. Kreditkarten können eröffnet werden

13. Dispokredit möglich

14. Verträge (Mobilfunk, Streaming etc.) alleine abschließbar

15. Verträge alleine kündbar (mit Fristen beachten)

16. Steuer-ID bleibt gleich, aber eigene Steuerpflicht möglich

17. Kindergeld endet ggf. (je nach Ausbildung/Studium)

18. Renten- und Versicherungsnummer bleibt bestehen

19.Kreditwürdigkeit/Schufa bekommt Bedeutung

4️⃣ Versicherungen

20. Krankenversicherung → Wechsel/Bestätigung erforderlich

21. Unfallversicherung eigenständig regeln

22. Haftpflichtversicherung – prüfen, ob noch gültig

23. Zusatzversicherungen neu überlegen

5️⃣ Gesundheit & Arztbesuche

24. Eltern dürfen keine Auskünfte mehr erhalten ohne Vollmacht

25. Arzttermine und Entscheidungen liegen beim Kind

26. Zahnärztliche Behandlung allein organisiert

27. Impfpass selbst verwalten

28. Psychologische Beratung ggf. eigenverantwortlich

6️⃣ Alltag & Selbstorganisation

29. Eigene Entschuldigungen für Schule/Beruf/Uni

30. Eigene Terminvereinbarungen

31. Fristen & Termine selbst im Blick behalten

32. eigene E-Mail/Apps für Behörden & Versicherungen

33. Aufgaben wie Müll, Post, Kontoauszüge selbst

7️⃣ Führerschein & Mobilität

34. Führerschein rechtsverbindlich (sofern bestanden)

35. KFZ-Versicherung eigenständig (Mitfahrregelungen beachten)

36. Fahrzeug anmelden/versichern eigene Verantwortung

8️⃣ Reisen & Dokumente

37. Reisepass/Personalausweis eigenständige Verwaltung

38. Alter für bestimmte internationale Reisen freier

39. Visa/Einreiseformalitäten eigenverantwortlich

9️⃣ Wohnen & Mietleben

40. Mietverträge eigenständig rechtswirksam

41. Nebenkosten, Kaution, Kündigungsfristen selbst

42. Wohngemeinschaften eigenständig regeln

🔟 Digital & Medien

43. Eigene Zugangsdaten zu allen digitalen Konten

44. Eltern haben ohne Erlaubnis keinen Zugriff

45. Datenschutzrechte voll beim Kind

1️⃣1️⃣ Studium & Ausbildung

46. BAföG / Unterstützung individuell beantragen

47. Studienplatzbescheide direkt an dich

48. Ausbildungs- und Vertragsfragen eigenständig

49. Prüfungsanmeldungen selbst

1️⃣2️⃣ Beruf & Arbeit

50. Arbeitsvertrag eigenständig

51. Lohnsteuerkarte/Register automatisch

52. eigene Steuererklärung ggf. nötig

53. Sozialversicherungsbeiträge klären

1️⃣3️⃣ Familiäres & Beziehung

54. Keine automatische Rolle „Kind“ im rechtlichen Sinne mehr

55. Entscheidungen über Besuch/Urlaub/Umzug liegen beim Kind

56. Rollenverschiebung: Eltern → Begleitung & Beratung

1️⃣4️⃣ Emotionale & Alltägliche Veränderungen

57. Verantwortung für Gesundheit, Job, Leben intern spürbar

58. Vertrauensentscheidungen (z. B. Wohnung, Finanzen)

59. Stolz & Loslassen gleichzeitig spürbar

60. Neue Form der Eltern-Kind-Beziehung beginnt

Dinge, die oft nicht erwähnt werden

61. Eigene Post steht nicht mehr automatisch zur Verfügung

62. Öffentliche Verwaltungen kommunizieren direkt

63. Eltern brauchen Vollmacht, wenn etwas passiert

64. Rechtliche Schritte (z. B. Widerspruch, Anträge) ohne Erlaubnis nicht möglich

65. Gericht bestellt Betreuer:in, wenn keine Vollmacht existiert → Eltern nicht automatisch

1️⃣5️⃣ Freiheit, Konsum & Nachtleben

66. Zugang zu allen Clubs, Bars und Veranstaltungen (keine Altersbeschränkung mehr)

67. Alkoholkonsum ohne Altersgrenze

68. Cannabiskonsum im Rahmen der gesetzlichen Regelungen

69. Eigene Verantwortung für Konsum, Verhalten und Konsequenzen

70. Keine „elterliche Schutzfunktion“ mehr im öffentlichen Raum

1️⃣6️⃣ Reisen & Selbstbestimmung

71. Alleine verreisen ohne Einverständnis der Eltern

72. Eigene Verantwortung für:

  • Buchungen

  • Versicherungen

  • Rückreise

  • Notfälle

73. Eltern können nicht eingreifen, wenn etwas schiefgeht (außer auf Bitte)

1️⃣7️⃣ Strafrecht & Verantwortung (sehr wichtig!)

74. Voll strafmündig

75. Strafrecht für Erwachsene gilt vollständig

76. Keine „Jugendbonus“-Regelungen mehr

77. Anzeigen, Verfahren und Strafen laufen auf eigenen Namen

78. Einträge (z. B. Führungszeugnis) können langfristige Folgen haben

Das ist kein Drohpunkt, sondern Realität:

Verantwortung ist nicht verhandelbar – egal wie jung man sich fühlt.

1️⃣8️⃣ Verhalten im öffentlichen Raum

79. Eigenverantwortung bei:

  • Lärm

  • Sachbeschädigung

  • öffentlichem Konsum

  • Mitverantwortung in Gruppen

80. „Ich wusste das nicht“ schützt rechtlich nicht

Wenn man all das so untereinander liest, kann es überwältigend wirken.
So viel Verantwortung.
So viele neue Zuständigkeiten.

Und gleichzeitig hat es auch etwas Gutes.

Nicht mehr für alles verantwortlich zu sein.
Nicht mehr alles regeln zu müssen.
Nicht mehr automatisch die erste Anlaufstelle zu sein.

Die Umstellung ist für beide Seiten nicht leicht.
Für das erwachsene Kind – und für die Eltern.
Und sie verläuft ganz unterschiedlich, je nachdem,
ob das Kind noch zu Hause wohnt oder schon ausgezogen ist,
ob Schule, Ausbildung, Studium oder Beruf gerade den Alltag bestimmen.

Nicht alles aus dieser Liste muss sofort erledigt werden.
Manches kommt erst später.
Manches vielleicht gar nicht.

Vielleicht ist diese Liste deshalb weniger eine Anleitung
und mehr eine Einladung.

Sich einmal gemeinsam hinzusetzen und sie zusammen zu lesen.
Zu sagen: „Ah, das gibt es also auch.“
Und sie dann wieder zuzuklappen.

Beim Rotary-Schüleraustausch gibt es eine Handreichung mit dem Titel „First Night Questions“
75 ganz praktische Fragen, die Gastfamilie und Gastkind in der ersten Nacht gemeinsam besprechen sollen.
Nicht, weil alles sofort geklärt sein muss,
sondern weil es hilft, Dinge einmal ausgesprochen zu haben.

Vielleicht ist diese Liste genau das:
Eine Art First Night Questions für das Erwachsenwerden.

Und dann darf man wieder loslassen.
Und vertrauen.
Und beobachten, wie jemand seinen eigenen Weg findet.

Das Kind ist erwachsen.
Und bleibt doch unser Kind.

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