Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich mir Hilfe hole? Nein!

„Elterncoaching brauche ich nur, wenn ich komplett am Ende bin."

Sona Terlohr, Elterncoachin für Neue Autorität, sitzt lächelnd mit Laptop im Strandkorb, Bildtext: Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich mir Hilfe hole? Nein!

Diesen Satz höre ich zwischen den Zeilen oder wenn über Unterstützung und Hilfe in der Erziehung gesprochen wird. Im Nachsatz einer Anfrage: „Ich weiß, andere haben es viel schwerer." Im Zögern am Telefon, bevor jemand den ersten Termin bucht, manchmal Wochen, nachdem meine Nummer schon im Handy gespeichert war. In der hochgezogenen Schulter, die ich sehe, wenn eine Mutter mir gegenübersitzt und als Erstes sagt: „Eigentlich ist das doch nicht so schlimm, oder?"

Der Glaubenssatz dahinter: Wer sich Coaching holt, hat versagt. Gute Eltern schaffen das allein.

Und er kommt in ganz vielen Verkleidungen daher:

  • „Ich bin doch eine schlechte Mutter, wenn ich um Hilfe bitte."

  • „Alle anderen schaffen es doch auch, ganz ohne Coaching."

  • „Ich müsste das doch alleine können."

  • „Was soll eine fremde Person schon über meine Familie wissen?"

  • „Was, wenn sie am Ende denkt, ich hätte meine Familie nicht im Griff?"

Trotzdem sitze ich hier, seit über 15 Jahren als Coachin und seit meiner Ausbildung zur Elterncoachin auch mit Familien, jeden Tag mit Eltern, die alles andere als Versagerinnen und Versager sind.

Kurz gesagt:
Nein, du bist keine schlechte Mutter, kein schlechter Vater, wenn du dir Hilfe holst. Elterncoaching ist kein Zeichen von Versagen, sondern von Verantwortung. Die meisten Eltern, die zu mir kommen, machen längst vieles richtig. Sie wollen nur nicht mehr allein mit der Anspannung dastehen.
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Woher kommt der Glaubenssatz, dass Hilfe in der Erziehung ein Zeichen von Versagen ist?

Der Glaubenssatz baut sich über Jahre auf, aus dem Vergleich mit anderen Familien, aus alten Mustern, die wir von unseren Eltern übernommen haben, und aus dem eigenen Anspruch, alles allein zu schaffen.

Niemand bringt dir diesen Satz an einem einzigen Erziehungsratgeber-Abend bei. Er baut sich langsamer auf. Aus dem Instagram-Feed, in dem andere Familien nur die geglückten Momente zeigen. Aus dem Klassenchat, in dem eine Mutter beiläufig erwähnt, wie „entspannt" ihr Sohn die Pubertät durchläuft. Aus dem eigenen Anspruch, den viele von uns unbewusst mitschleppen: Wenn ich eine gute Mutter bin, schaffe ich das allein. Fremde Hilfe wäre dann fast ein Geständnis.

Und ehrlich, ich verstehe, woher das kommt. Unsere Elterngeneration hat gelernt: Was in der Familie passiert, bleibt in der Familie, auch die Probleme. Therapie war etwas für „ernste Fälle", Coaching kannte kaum jemand. Wer sich Unterstützung holte, tat das leise, fast heimlich... was sollen die anderen denken? Ich will ja nicht das Jugendamt am Hals haben…

Dieser alte Reflex sitzt tief, auch wenn längst niemand mehr so über dich denkt wie du befürchtest.

Dazu kommt, wie öffentlich wir Erziehung heute verhandeln. In den sozialen Medien wird jede Entscheidung bewertet, von der Windelmarke bis zur Bildschirmzeit. Kein Wunder, dass viele Eltern lieber schweigen, statt zu zeigen, wo es gerade wirklich schwierig ist. Diese Schuldgefühle sind kein Zufall, sie werden von außen ständig neu befeuert. Wer zugibt, überfordert zu sein, riskiert gefühlt ein Urteil. Also kämpfen die meisten lieber allein weiter, auch wenn genau das mehr Kraft kostet als das offene Gespräch.

Warum schadet es dir, wenn du dir keine Unterstützung in der Erziehung holst?

Weil dieser Glaubenssatz, dass Hilfe ein Zeichen von Versagen ist, dich genau in dem Moment festhält, in dem du am meisten Bewegung brauchst. Du wartest. Du versuchst es noch einmal allein. Und noch einmal. Bis die Konflikte mit deinem Kind sich festgefahren haben und die Beziehung darunter leidet, nicht nur der einzelne Streit.

In meiner Arbeit als Elterncoachin sehe ich täglich, wozu das führt. Eltern, die an diesem Glaubenssatz festhalten:

  • warten oft Monate oder Jahre, bevor sie sich überhaupt Unterstützung suchen

  • verhärten sich in Konflikten mit ihrem Kind, statt frühzeitig gegenzusteuern

  • tragen die Erschöpfung meist allein, ohne dass die Partnerin oder der Partner merkt, wie schlecht es ihnen geht

  • geraten als Paar aneinander, weil jeder allein kämpft statt gemeinsam

  • schämen sich zunehmend, je länger sie warten, und trauen sich dadurch noch weniger, den ersten Schritt zu gehen

Eltern kommen nicht zu früh zu mir, sondern sie kommen oft ziemlich spät. Nicht, weil sie zu wenig getan hätten, sondern weil sie so lange durchgehalten haben, bis buchstäblich nichts mehr ging. Dabei hätte ein Gespräch drei Monate vorher vielleicht schon Erleichterung und Klarheit gebracht.

Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist, sagen wir in der Neuen Autorität. Nicht erst, wenn schon alles eskaliert ist.

Was ist die Wahrheit über Elterncoaching und Hilfe für Eltern?

Die Wahrheit ist unspektakulär und trotzdem wichtig: Die meisten Eltern, die zu mir kommen, sind keine Eltern in der Krise. Es sind Eltern, die genau merken, dass ihr Verhalten im Streit mit dem Kind nicht mehr zu ihnen passt, und die sich weiterentwickeln wollen.

Genau dafür mache ich mein Elterncoaching: Es hilft Eltern, die schon gut sind, noch entspanntere Eltern zu sein.

Ein paar Muster aus meiner Arbeit, ohne Namen und Details zu verraten: Eine Mutter, die merkt, dass sie ihre Tochter anschreit, obwohl sie genau weiß, dass das nichts bringt, und die lernen will, in dem Moment anders zu reagieren. Ein Vater, der spürt, dass die Beziehung zu seinem Sohn distanzierter wird, und der das ändern will, bevor es zu spät ist. Ein Elternpaar, das sich in der Erziehung uneinig ist und merkt, wie sehr das die Beziehung belastet. Keiner von ihnen hat versagt. Alle haben genau richtig gehandelt: Sie haben etwas bemerkt und sich entschieden, etwas zu verändern.

In meiner Ausbildung am Institut Weinheim bei Dennis Haase habe ich gelernt, wie Neue Autorität in der Praxis funktioniert. Ein zentraler Baustein davon sind die sieben „Vitamine" der Systemischen Präsenz, Ressourcen wie Präsenz, Transparenz oder Unterstützungsnetzwerke, die eine Familie immer wieder auffüllen kann, wenn Scham und Ratlosigkeit sie lähmen. Sich Hilfe zu holen ist eines dieser Vitamine. Kein Notfallmedikament für den Ernstfall, sondern etwas, das du regelmäßig nimmst, damit es gar nicht erst so weit kommt. Was es mit den sieben Vitaminen der Neuen Autorität genau auf sich hat, erkläre ich ausführlich in einem eigenen Artikel.

Neue Autorität – kurz erklärt

Die Neue Autorität ist ein Ansatz nach Prof. Haim Omer, der Eltern stärkt, auch in schwierigen Situationen präsent, klar und handlungsfähig zu bleiben, ohne Strafe oder Machtkämpfe. Nicht strenger sein. Sondern da sein, wenn es drauf ankommt.

Kernprinzipien:

  • Selbststeuerung statt Kontrolle
  • Beharrlichkeit statt Eskalation
  • Beziehung trotz klarer Grenzen
  • Wiedergutmachung statt Strafe

Was Neue Autorität konkret bedeutet, erkläre ich hier ausführlich.

Hilfe, mein Sohn kifft.

Ein Vater hat mir das in einer Coaching-Sitzung erzählt. Eine Woche vorher war er auf dem ersten Elternabend der neunten Klasse gewesen, an einer ganz normalen, gutbürgerlichen Schule. Mitten in der Runde hat er sich zu Wort gemeldet und offen gesagt: Sein Sohn kifft. Und er sei ziemlich sicher, dass er nicht der einzige in der Klasse sei, wie sähen das denn die anderen Eltern?

Das war mutig. Richtig mutig, denn „Hilfe, mein Kind kifft" ist ein Satz, den sich die wenigsten Eltern laut auszusprechen trauen, schon gar nicht vor zwanzig fremden Erwachsenen auf einem Elternabend.

Im Raum selbst ist danach nicht viel passiert, weder besonders viel Zustimmung noch Widerspruch. Nur ein kurzer Moment im Sinne von wachsamer Sorge: Jetzt wussten alle, dass es das an dieser Schule wirklich gibt, und wurden aufmerksamer. Im Nachhinein aber haben ihn zwei Eltern einzeln angesprochen. Beide hatten sich in der großen Runde nicht getraut, das Gleiche zuzugeben, beide machen sich große Sorgen um ihre eigenen Kinder.

Als der Vater mir davon erzählte, ging es ihm vor allem um eins: die Entlastung. Er hat sich danach nicht mehr so allein gefühlt und sich nicht mehr dafür geschämt, dass „nur" sein Sohn angeblich so ein Problemkind ist. Die eigentlichen Probleme mit dem Kiffen sind geblieben, die hat ein Satz auf einem Elternabend nicht gelöst. Aber der Vater, und mit ihm seine Frau, sind aus diesem Moment des Öffentlichmachens gestärkter und selbstbewusster herausgegangen. Die Idee dazu, und den Mut dafür, hat er im Elterncoaching bei mir entwickelt.

So etwas kann natürlich auch schiefgehen. Es kann negative Reaktionen geben, Getuschel, schräge Blicke. Trotzdem bin ich überzeugt, dass Offenheit eher die Chance auf positives Feedback und eine gestärkte Haltung bringt als Schweigen, raus aus der Scham und der Schockstarre. Nur, Öffentlichkeit allein löst das eigentliche Problem natürlich nicht. Das bleibt Arbeit, Schritt für Schritt. Und das war ein großer Schritt für diesen Vater.

Wie machst du den ersten Schritt zu mehr Unterstützung in der Erziehung?

Der erste Schritt ist meistens keine große Handlung, sondern eine ehrliche Frage an dich selbst.

Ich rate dir jetzt nicht zu irgendetwas. Ich coache, ich berate nicht. Deshalb keine Fünf-Schritte-Liste von mir, sondern ein paar Fragen, die ich auch mir selbst und den Eltern stelle, die zu mir kommen:

Was brauchst du gerade wirklich? Was wünschst du dir für den Alltag mit deinem Kind, wenn du ehrlich bist? Und was könnte eine Unterstützung für dich sein, jetzt, nicht erst wenn es nicht mehr anders geht?

Wenn eine dieser Fragen etwas in dir anstößt, darfst du das ernst nehmen. Warum sich so viele Eltern heimlich für ihre Überforderung schämen, obwohl sie nichts falsch machen, habe ich in einem eigenen Artikel über Scham bei Eltern beschrieben, falls dich das Thema noch tiefer beschäftigt.

Und wenn du wissen willst, wie ein Elterncoaching nach Neuer Autorität bei mir konkret abläuft, findest du dort alle Infos zu Ablauf, Dauer und dem kostenlosen Erstgespräch.

Vielleicht brauchst du Coaching nicht, weil du eine schlechte Mutter bist, sondern weil du schon viel zu lange versuchst, alles allein zu schaffen.


Und du? Was hält dich gerade noch davon ab, dir Unterstützung zu holen? Ich lese jeden Kommentar und jede Nachricht, auch die, die sich noch unsicher anfühlen.

Häufige Fragen
Ist es ein Zeichen von Versagen, wenn ich mir als Mutter oder Vater Hilfe hole?
Nein. Hilfe zu holen zeigt, dass du deine Situation ernst nimmst und bereit bist, etwas zu verändern. Die meisten Eltern, die sich für ein Elterncoaching entscheiden, machen längst vieles richtig.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Elterncoaching?
Der richtige Zeitpunkt ist, bevor der Konflikt eskaliert, nicht erst danach. Schmiede das Eisen, wenn es kalt ist: Ein Gespräch in ruhigen Zeiten wirkt oft mehr als eines mitten in der Krise.
Was unterscheidet Elterncoaching nach Neuer Autorität von klassischer Erziehungsberatung?
Elterncoaching nach Neuer Autorität gibt dir keine fertigen Erziehungstipps, sondern arbeitet an deiner eigenen Haltung und Präsenz als Elternteil, unabhängig vom Verhalten deines Kindes.
Warum schämen sich viele Eltern, wenn sie überfordert sind?
Weil wir gelernt haben: Was in der Familie passiert, bleibt in der Familie, auch die Probleme. Dazu zeigen soziale Medien oft nur die geglückten Momente. Das führt dazu, dass viele Eltern glauben, mit ihren Schwierigkeiten allein dazustehen.
Hilfe, mein Kind kifft, was kann ich als Elternteil tun?
Zuerst: Du bist damit nicht allein, auch wenn es sich gerade so anfühlt. Frag dein Kind, warum es kifft, und hör dir die Antwort wirklich interessiert an, auch wenn nicht sofort eine kommt. So bleibt ihr im Kontakt. Wenn du merkst, dass du selbst nicht mehr weiterweißt, ist eine Sucht- und Drogenberatungsstelle in deiner Nähe ein guter erster Ansprechpartner, zusätzlich zu einem Elterncoaching, das dir hilft, in der Beziehung zu deinem Kind präsent und klar zu bleiben.
Wie läuft der erste Schritt zum Elterncoaching ab?
Der erste Schritt ist ein kurzes, unverbindliches Kennenlerngespräch. Darin schauen wir gemeinsam, ob und wie ich dir helfen kann.
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Sona Terlohr – Elterncoach
Sona Terlohr

Sona Terlohr, M.A. (sie/ihr)

Elterncoach | Systemische Präsenz & Neue Autorität

ÜBER MICH: Ich begleite Eltern in herausfordernden Familiensituationen mit Klarheit, Beziehung und Haltung. Ich liebe es, echte Gespräche zu führen, die etwas in Bewegung bringen – im Coaching, in Workshops, im Netzwerk. Und hier in meinem Blog. Seit 2025, nach Abschluss meiner Weiterbildung am Institut Weinheim bei Dennis Haase, liegt mein Schwerpunkt auf Elterncoaching nach Neuer Autorität.

Manchmal beginnt Veränderung genau in dem Moment, in dem du aufhörst zu kämpfen – und anfängst, präsent zu sein.

Mehr über mich erfährst du hier!

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