Monatsrückblick September 2026: Mein neuer Claim und zwei Gäste aus Odesa
Ich saß Ende September vor einem ziemlich leeren Fotoalbum und dachte: oh nein, worüber schreibe ich jetzt bloß meinen Rückblick. Kein Urlaubsfoto, kein Businessfoto, nichts. Und dann ist mir beim Nachdenken aufgefallen: es war trotzdem ein vollgepackter Monat. Nur einer, der mehr im Kopf und am Schreibtisch passiert ist als vor der Kamera.
In diesem Monatsrückblick erzähle ich dir, warum mein neuer Claim „Präsenz statt Macht" jetzt endlich online ist, wieso zwei Wochen lang zwei Schülerinnen aus Odesa bei uns gewohnt haben, was aus meiner ersten eigenen Umfrage wird. Und wie jeden Monat gibt's am Ende die Rubrik „Kein Ratschlag für Eltern".
Präsenz statt Macht: mein Claim ist da
«Präsenz statt Macht» heißt für mich: nicht Kontrolle über mein Kind, sondern Beziehung und Präsenz.
Im August-Rückblick hab ich den Claim schon kurz angeteasert, jetzt ist er endlich da: seit dem 15. September steht „Präsenz statt Macht" offiziell als mein Claim auf der Website. Und zwar passenderweise mit meinem 50. Blogartikel. Fünfzig Artikel, um am Ende bei einem einzigen Satz zu landen, der wirklich passt, das ist schon ein kleiner Meilenstein für sich.
Wie ich zu diesem Satz gekommen bin und was genau dahinter steckt, hatte ich im August ja schon kurz angerissen, die ganze Geschichte dazu liest du im Artikel Präsenz statt Macht: Mein Leitsatz als Elterncoach. Für mich war der 15. September trotzdem ein eigener kleiner Moment: der Tag, an dem aus einer Idee vom Küchentisch endlich ein Satz wurde, der jetzt ganz offiziell auf meiner Startseite steht.
76 Tipps und mein erster Gastartikel von Ulrike Wolf
Kurz vorher, am 10. September, ist ein Artikel erschienen, an dem ich eine Weile gesammelt hab: 76 Tipps aus 15 Jahren Coaching-Erfahrung für mehr Präsenz statt Macht in deiner Familie, quer durch alles, was mit Neuer Autorität und Elterncoaching zu tun hat. Ein Satz pro Tipp, keine langen Erklärungen, einfach zum Durchscrollen und sich das raussuchen, was gerade passt.
Und am Monatsende, am 29. September, durfte ich zum allerersten Mal einen Gastartikel auf meinem Blog veröffentlichen: Ulrike Wolf, Coachin für Nervensystemregulation und Bindungsspiele aus Lüneburg (mehr von ihr auf ulrikewolf.de), hat über Beziehungsgesten geschrieben, die regulieren, und darüber, was passiert, wenn Spielen nicht nur für Kinder ist. Solche Perspektiven machen Themen anders auf, als ich das allein tun würde - eine sehr gute und spannende Ergänzung finde ich und die Kooperation hat mir viel Freude gemacht!
Meine erste eigene Umfrage
Im September hab ich zum ersten Mal eine eigene Umfrage gestartet: „Beziehung oder Gehorsam?". Die Frage dahinter beschäftigt mich schon länger. Du kennst bestimmt auch noch den Satz „Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast...", früher kam danach fast immer „...machst du, was ich sage." Heute würden die wenigsten von uns noch offen sagen, dass es um Gehorsam geht, wir wollen Beziehung. Zumindest in der Theorie.
Aber was passiert, wenn's im Streit wirklich eng wird? Sitzt der alte Satz nicht doch heimlich als gelernter Reflex in uns und schießt in Stresssituationen hoch? Genau das wollte ich herausfinden, nicht aus einem Lehrbuch und nicht von einer KI zusammengefasst, sondern von echten Menschen in echten Momenten.
Technisch war die Umfrage selbst der leichte Teil, mit dem kostenlosen Tool Tally war das schnell gebaut. Schwieriger war, Menschen zum Mitmachen zu bewegen, ganz ohne Gewinnspiel und ohne den Ernst einer Doktorarbeit im Rücken. Umso schöner, dass am Ende 30 Leute mitgemacht haben 🙏, und zwar aus beiden Perspektiven: Eltern und pädagogische Fachkräfte.
Was dabei herausgekommen ist, verrate ich hier noch nicht, der ganze Artikel dazu kommt im Oktober. Aber so viel steht für mich schon fest: solche Umfragen will ich mir gern öfter für meine Arbeit vornehmen, und meine Lernerfahrungen aus dieser ersten Runde nehme ich direkt mit. Vielleicht gibt's beim nächsten Mal ja sogar etwas zu gewinnen.😎
Was sonst noch los war
Das eigentliche Highlight des Monats war aber etwas ganz anderes: zwei Wochen lang hatten wir zwei Schülerinnen aus Odesa zu Gast, über ein Unesco-Programm unserer Schule: Recreation-Programm für ukrainische Schüler*innen, 14 Tage Urlaub und Freizeitprogramm gemeinsam mit Bremer Schüler*innen. Verständigt haben wir uns mehr schlecht als recht auf Englisch, mit viel Händen und Füßen. Das war spannend und für unsere Tochter eine ganz schöne Herausforderung. Die beiden Mädchen waren so fröhlich und herzlich und hatten so viel Spaß und Lust hier zu sein - das war wirklich eine tolle Sache!
Und wir sind alle froh uns aufgerafft zu haben, daran als Familie teilzunehmen. Man kennt das ja, da kommt eine Anfrage über die Schule und im ersten Reflex denkt man: Oh Gott nein, nicht noch mehr Stress und mehr Arbeit, unser Tag ist doch schon so voll! Aber unsere Jüngste wollte unbedingt teilnehmen und wir sind nun alle sehr dankbar für diese Erfahrung. Am letzten Tag gab es eine Abschiedsparty in der Schule, mit allen beteiligten Jugendlichen, allen Eltern und Lehrkräften - eigentlich brauchen wir alle grade in dieser anstrengenden Zeit genau solche Momente der Gemeinsamkeiten und Austausch, die uns daran erinnern, wofür sich das alles lohnt. ❤️
Im Garten ist inzwischen die große Erntezeit angekommen, auch wenn's zwischendurch noch richtige Sommertage gab, ungewöhnlich warm für Ende September. Der Herbst ist trotzdem eindeutig da.
Und dann hat auch unser Theater-Abo im Goethetheater Bremen wieder angefangen, Saisonauftakt. Das Stück: „I. Grief. Different". Schon der Titel sagt: das wird kein leichter Abend. Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keine Lust auf so viel Schwere direkt zum Start in die neue Spielzeit. Aber dann saß ich da, und es war „viel weniger schlimm" als gedacht. Am Ende sogar ein richtig guter Theaterabend. Manchmal lohnt es sich eben doch, hinzugehen, auch wenn man am liebsten auf der Couch geblieben wäre.
Was ich im September gebloggt habe
Kein Ratschlag für Eltern
Die Situation: Dein Kind wird dir gegenüber respektlos oder sogar aggressiv, und du merkst, wie in dir langsam die Ohnmacht hochkriecht.
Wie immer an dieser Stelle: kein Ratschlag. Ich mache Coaching, keine Beratung. Ich lade dich ein, dir die folgenden Gedanken als Unterstützung anzuschauen und selbst auszuprobieren, was zu deiner Familie passt.
Im Moment selbst: Das Wichtigste ist, nicht sofort zu reagieren, so schwer das gerade ist. Keine Strafe, keine Drohung, keine große Diskussion.
Ein Satz reicht, um ein Lesezeichen in die Situation zu legen: „Das ist so nicht in Ordnung. Ich komme darauf zurück."
Dann selbst kurz raus, um runterzukommen. Das Eisen schmieden wir, wenn es kalt ist, nicht mitten in der Hitze.
Schritt 1 - in einem ruhigen Moment: Eine klare, gut vorbereitete Ankündigung, wenn du selbst wieder ganz bei dir bist:
„Wir können dieses Verhalten so nicht mehr akzeptieren.
Wir wollen mit dir eine Lösung finden.
(Wir tun das, weil wir dich lieben/weil du uns sehr wichtig bist.)"
Keine Diskussion, keine Drohung. Schon diese Ankündigung ist Widerstand.
Schritt 2 - wenn es wieder passiert: Eine sichtbare, ruhige Geste, zum Beispiel ein Sit-in. Dableiben, präsent sein, nicht weggehen und nicht nachgeben. Keine Diskussion in diesem Moment, keine Gegengewalt.
Nur die immer gleiche Haltung: „Wir sind uns sicher. Wir bleiben hier, bis wir eine Lösung finden."
Dazwischen und danach: Widerstand heißt nicht Kälte. Gerade in dieser Phase brauchen Kinder kleine Gesten, die zeigen, dass die Beziehung trotzdem hält, ein positives Wort zwischendurch, ein ganz normaler Moment beim Abendessen. Hart bleiben in der Sache, warm bleiben in der Beziehung, beides gleichzeitig geht.
Mehr zu allen sieben Vitaminen der Neuen Autorität liest du hier: Neue Autorität für Eltern und Pädagogen.
Ausblick auf Oktober 2026
Der Artikel zur Umfrage kommt endlich raus, ich bin gespannt, wie er bei dir ankommt
Ich schreibe selbst gerade an einem Gastartikel für Ulrikes Blog, Arbeitstitel: „Ich muss mich nicht rechtfertigen - was Neue Autorität gegen Mom-Shaming hilft"
Wenn dir beim Lesen was einfällt, worüber du gern mehr von mir lesen würdest, oder wenn du einfach erzählen willst, wie dein September war: schreib mir gern einen Kommentar hier unten oder eine Nachricht per Mail.
Ich freu mich immer, von dir zu hören.
Und wenn du jeden Donnerstag meinen Impuls zu Neuer Autorität und einem entspannteren Familienalltag willst: Trag dich gern hier in meinen Newsletter ein.

Ein September ohne viele Fotos, aber mit meinem neuen Claim bei Blogartikel Nummer 50, zwei Gästen aus Odesa und meiner ersten eigenen Umfrage.