Meine 3 wichtigsten Werte: Beziehung, Verantwortung und Leidenschaft
Werte-Artikel lesen fühlt sich manchmal an wie Bewerbungsgespräche. „Ich bin leidenschaftlich, engagiert und teamfähig." Na gut. Aber was heißt das wirklich?
Ich habe trotzdem einen geschrieben. Und ich sage dir gleich, warum.
Wenn du überlegst, ob du mit mir arbeiten möchtest, ist dieser Artikel für dich. Ich glaube, Coaching funktioniert am besten, wenn die Grundhaltung stimmt. Und die erkennst du nicht am Angebot, sondern daran, was jemanden wirklich antreibt. Was diese Person im Alltag wirklich lebt, auch wenn es schwierig wird.
Ich habe mich gefragt, welche drei Werte meine Arbeit am meisten prägen. Tatsächlich musste ich gar nicht lange nachdenken, mir war schnell klar: Beziehung, Verantwortung und Leidenschaft. Was ich damit meine, versuche ich hier so konkret wie möglich zu machen.
Wert Nr. 1: Ich will, dass die Verbindung hält, auch wenn es schwierig wird
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Mutter, das mich noch Wochen später beschäftigt hat. Sie kam zu mir, weil ihr Sohn jeden Morgen einen Aufstand machte. Schule, Aufstehen, Hausaufgaben, alles ein Kampf. Sie hatte alles versucht: Konsequenzen, Belohnungen, ruhige Gespräche, laute Gespräche. Nichts half.
Wir haben in unserer ersten Sitzung ziemlich lange darüber geredet, was sie sich eigentlich von ihrem Sohn wünscht - nicht kurzfristig, sondern langfristig. Und irgendwann sagte sie: „Ich will, dass er weiß, dass ich für ihn da bin. Auch wenn er schwierig ist."
Das ist für mich Beziehung. Nicht die Harmonie, wenn alle nett zueinander sind und alles super läuft, sondern, dass ich mich verlassen kann darauf, immer. Die Beziehung, der berühmte Fels in der Brandung, der da ist, egal was passiert.
Die Neue Autorität , auf der mein Coaching basiert, dreht sich genau darum. Nicht darum, Kinder durch Druck oder Kontrolle zu steuern, sondern darum, als Elternteil so präsent zu sein, dass die Beziehung auch in Krisen hält. „Dein Verhalten unabhängig vom Verhalten des Kindes": ein Satz aus meiner Ausbildung bei Dennis Haase, der sich einfach anhört und der im Alltag verdammt schwer umzusetzen ist. Aber er zeigt, worauf es ankommt: auf meine Haltung, auf die Verbindung, die ich anbiete, auch wenn das Kind gerade alles daran setzt, mich auf Abstand zu bringen.
Wenn das gelingt, verändert sich etwas in der Atmosphäre zu Hause. Nicht weil das Kind sich über Nacht gewandelt hat, sondern weil das Elternteil nicht mehr auf jede Provokation reagiert wie auf eine persönliche Niederlage. Familien, die ich begleite, beschreiben das manchmal so: Die Morgen werden nicht plötzlich leicht. Aber sie werden weniger wie ein Schlachtfeld — weil klar ist: Ich bin noch da und gehe nicht weg.
Das gilt für mich als Coachin genauso. Wenn jemand zu mir kommt, hat er oder sie meistens schon lange genug alleine gekämpft, ist erschöpft, frustriert: „Ich hätte das als Mutter doch wissen müssen." Meine Aufgabe ist nicht, schnell Lösungen zu liefern. Meine Aufgabe ist, einen Raum anzubieten, in dem echte Arbeit möglich wird.
Wert Nr. 2: Das ist mein Job. Den nehme ich an.
Ich war mal in einer Situation, in der ich meinem Kind gegenüber falsch reagiert habe - nicht leicht falsch, sondern wirklich falsch. Ich habe die Stimme erhoben, obwohl ich genau wusste, dass es nichts bringt. Hinterher war ich wütend. Nicht auf mein Kind, sondern, klar, auf mich selbst.
Früher hätte ich diese Szene schnell weggepackt. Heute tue ich das nicht mehr. Heute schaue ich hin. Was hat mich dorthin gebracht? Was brauchte ich in dem Moment, das ich nicht hatte? Und was kann ich beim nächsten Mal anders machen?
Genau das meine ich mit Verantwortung: nicht Selbstkritik als Dauerzustand, sondern die Bereitschaft, hinzuschauen, es anzunehmen und es beim nächsten Mal besser zu machen. In den Sack haun is' nicht!
Für mich hat Verantwortung noch eine andere Seite. Es ist diese Überzeugung: Das ist mein "Job", meine Aufgabe jetzt hier im Leben, den nehme ich an. Kein Wenn und kein Aber. Egal ob es um meine Kinder geht, um die Eltern, die zu mir kommen, oder um Dinge, die größer sind als ich: Klimaschutz, Demokratie, Bildungsgerechtigkeit. Nicht weil ich die Schuld dafür übernehme. Sondern weil ich meinen Beitrag tun will. Alles, was in meiner Macht steht.
Und manchmal bedeutet Verantwortung genau das: Dass ich keine Lust mehr habe. Dass ich nicht mehr kann und nicht mehr will. Und trotzdem bleibe und weiter mache. Nicht aus abstrakter Pflicht, sondern weil ich die Verantwortung angenommen habe. Weil es keine Alternative gibt. Und weil das gut so ist.
Als Coachin merke ich, wie schwer das für viele Eltern ist. Nicht weil sie sich nicht kümmern würden, ganz im Gegenteil, sonst wären sie ja nicht bei mir! Sondern weil Verantwortung übernehmen in unserer Alltagssprache oft bedeutet: Schuld tragen. Und Schuld ist eine schwere Last. Sie macht eng, defensiv, handlungsunfähig.
Ich unterscheide zwischen beidem. Schuld dreht sich um die Frage „Wer hat Fehler gemacht?" Verantwortung dreht sich um die Frage „Was tue ich jetzt?" Der Unterschied klingt klein, ist es aber nicht. Eltern, die das verinnerlichen, werden handlungsfähiger. Sie werden nicht perfekter, aber handlungsfähiger.
Einer der stärksten Momente in meiner Arbeit sind die, in denen ein Elternteil in die Sitzung kommt und sagt: „Ich hab's wieder getan." Nicht als Anklage gegen sich selbst, sondern als müde Feststellung. In der Neuen Autorität gibt es dafür einen konkreten Weg: die Wiedergutmachung. Kein Entschuldigen und Abhaken, sondern eine bewusste Geste, die sagt: Ich sehe, was passiert ist, und ich tue etwas damit. Das klingt unspektakulär. Aber Kinder registrieren diese Geste. Sie lernen: Fehler machen ist nicht das Ende. Fehler reparieren ist möglich. Das ist meiner Erfahrung nach genau das, was Kinder brauchen, keine makellosen Eltern, sondern Eltern, die sich trauen, etwas gutzumachen.
Das gilt für meine eigene Arbeit genauso. Wenn eine Sitzung nicht so läuft, wie ich es erhofft hatte, frage ich mich, was ich beim nächsten Mal anders mache. Ich verspreche keine Wunder und keine Patentrezepte. Aber ich verspreche, dass ich dabei bleibe und da bin.
Wert Nr. 3: Meine Neugier ist unersättlich
Leidenschaft ist für mich kein Berufsmerkmal. Es ist eine Haltung, die ich kenne, seit ich denken kann.
Ich habe gezeichnet wie eine Wahnsinnige, genäht, mich kopfüber in meine erste Selbstständigkeit gestürzt. Ohne wirklich Ahnung zu haben und habe mir alles selbst angeeignet, Schritt für Schritt - ohne KI! Ich habe die Wände meiner Friseurläden pink gestrichen, PCs auseinandergebaut, Businesspläne schreiben war mein größtes Hobby. Eine Idee von A bis Z durchspinnen und dann entscheiden: Machen oder doch lieber die nächste Idee durchdenken? Ich bin so viel und so oft es ging gereist, ich wollte die ganze Welt kennenlernen, alles essen, alles ausprobieren. Ich habe voller Leidenschaft Kundengespräche geführt, verkauft aus voller Begeisterung und Überzeugung, Team-Workshops gehalten und Geschäftsbeziehungen gepflegt - ich liebe Netzwerken!
Dann kamen die Kinder und ich habe gemerkt, dass sich meine Werte verschoben haben - das Prada-Täschchen war mir nicht mehr so wichtig. Stattdessen habe ich Erfahrungen gemacht, die ich nicht erwartet hatte, Grenzen gespürt, die ich vorher nicht kannte, und gemerkt, wie ich über mich hinauswachsen kann. Meine Neugier auf Beziehung, auf Kommunikation, auf Lernen und Bindung wurde unersättlich.
Diese Leidenschaft fürs Verstehen, fürs immer-nochmal-von-der-anderen-Seite-Betrachten, bis eine neue Idee entsteht: Sie treibt mich jeden Tag an. Und sie macht mir Spaß. Sie verbindet sich am Ende auch mit dem Wert davor, mit der Verantwortung, die wir haben: für unsere Kinder, für unsere Umwelt, für unser Zusammenleben hier auf dieser Erde.
Ich habe mal eine Mutter nach unserem letzten Gespräch gefragt, was für sie der Unterschied war zu dem, was sie vorher versucht hatte: Bücher, Beratungsstellen, gut gemeinte Ratschläge vom Umfeld. Sie dachte kurz nach und sagte: „Du hast nicht so getan, als ob du die Antwort schon kennst." Ich habe mich sehr darüber gefreut, weil es genau das ist, was Leidenschaft für mich bedeutet: echte Neugier, kein vorgefertigtes Konzept.
Diese drei Werte fallen mir nicht immer leicht. Es gibt Tage, an denen Beziehung viel Ausdauer kostet. Momente, in denen mir die Leidenschaft kurz abhanden kommt. Und Situationen, in denen Verantwortung einfach bedeutet: bleiben, auch wenn ich lieber davonlaufen würde.
Aber sie sind meins und sie prägen, wie ich mit Eltern arbeite.
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